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Wenn das Spiel zur Leidenschaft wird

 

Ein junger Staatsanwalt lernt bei der Beerdigung seines Vorgängers einen älteren Richter kennen, der mit dem verstorbenen Staatsanwalt befreundet war und mit ihm regelmäßig Schach spielte. Nun wollen die beiden Juristen diese Tradition fortsetzen und verabreden sich zu ihrer ersten Partie.

 

Doch bevor der erste Zug ausgeführt ist, bekennt der Richter, er habe bei den früheren monatlich durchgeführten Partien nach besonderen Regeln spiegeln müssen - und die sollten nun auch bei ihren zukünftigen Spielen gültig sein: Die Schachfiguren sollen bestimmte Personen verkörpern, die jeder Spieler selbst bestimmen kann, die Dame muss aber die dem Spieler am nächsten stehende Person sein - etwa die Ehefrau. Die Läufer und Springer können von befreundeten Pastoren, Lehrern, Anwälten oder Offizieren verkörpert werden, die Bauern stellen einfache Bürger wie das eigene Dienstmädchen oder den Milchmann dar.

 

Die gruselige Pointe besteht darin, dass jede im Spiel verlorene Figur den Tod der dargestellten realen Person bedeutet: Dieser Mensch muss getötet werden, erst dann kann das Spiel fortgesetzt werden. Und wer matt gesetzt wird, muss sich umbringen - was dazu führte, dass eine Partie Jahrzehnte dauerte, da jeder Zug gut überlegt werden musste, schließlich konnte ein Patzer ja den eigenen Exitus bedeuten.

 

Entwurf "Der Schachspieler" des Philosophen Dürrenmatt 

Hinweis von Jürgen Behrndt

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